Juli 1999, www.annas-welt.de
"Ich denke, wir sollten weiblich und feminin auftreten"
Anna Kournikova im Interview mit www.annas-welt.de
Anna, du hast dein Heimatland Russland mit 9 Jahren verlassen, welcher Nationalität fühlst du dich mehr hingezogen?
Anna Kournikova: Ich habe Russland nie richtig verlassen, ich bin nach Amerika gegangen, weil es dort die besseren Trainingsmöglichkeiten gab. In Moskau war es sehr schwierig zu lernen und zu trainieren. Ich brauchte gutes Essen, Sonne und die entsprechenden Möglichkeiten um weiter zukommen. Als ich nach Florida kam, habe ich all dies gefunden - Sonnenschein, Tennis-Schläger, frisches Obst, es war perfekt. Es war gut für mich, dass ich mich ganz auf das Training konzentrieren konnte und nicht meine Zeit damit verschwenden musste, von einem Trainingsort zum nächsten zu fahren.
Wo ist dein zu Hause?
Ich reise 40 Wochen im Jahr, deshalb ist es schwierig für mich zu sagen wo ich genau zu hause bin. Ich bin Russin und Amerikanerin, ich nehme das beste aus beiden Kulturen.
Was ist das beste an Russland?
Die Kultur. Die Geschichte, die Bücher, die Museen, alles was mit russischer Geschichte zu tun hat. Hier in Amerika ist alles so einfach - sie wissen, man kann einfach per Telefon eine Pizza bestellen! Und genau diese Kombination aus interessanter Geschichte und einfachem Lebensstil finde ich gut.
Wie schätzt du deinen Charakter ein? Hat das Gefühl eine Russin zu sein dir geholfen?
Oh ja. Es ist hart, wenn man nichts hat und versucht aus dieser Situation herauszukommen. Man entwickelt einen starken Willen. Du willst jemand werden und man möchte etwas erreichen.
Als du in Florida angekommen bist, hast du mit dem bekannten Trainer Nick Bolletieri zusammengearbeitet, der gesagt hat, das du sehr eingebildet gewesen bist. Ist das richtig?
Also, ich war erst 9 Jahre alt, als ich nach Florida kam und konnte noch nicht abwägen, wie ich aufgetreten bin. Alles woran ich mich erinnern kann ist, das Tennis spielen nicht nur Arbeit für mich war, ich war einfach am Tennis spielen interessiert. Ich wollte spielen und gewinnen. Es war Spaß für mich.
Ist das nur ein Gefühl oder ist das doch mehr ein Beruf für dich?
Es ist mit Sicherheit unterschiedlich, es ist auf jeden Fall nicht nur einfach ein Spiel mehr! Aber ich liebe es natürlich seit eh und je und es ist einer der schönsten Teile meines Leben. Seit ich 5 Jahre alt bin ist Tennis das Wichtigste in meinem Leben.
Wer brachte dich zum Tennissport?
Meine Eltern schickten mich in einen Verein um Tennis zu erlernen und weil ich soviel Energie hatte, die trainiert werden musste. Sie wussten nicht genau was sie sonst mit mir anstellen sollten.
Einige Spielerinnen auf der Tour scheinen Eltern aus der "Hölle" zu haben. Hast du diese Probleme auch schon erlebt?
Nein, definitiv nicht. Meine Eltern wussten überhaupt nichts über Tennis, sie hatten keinerlei Ziel in der Richtung. Sie wollten mich einfach aus Fitnessgründen trainieren lassen. Später kamen sie dann mit mir in die Staaten, weil ein 9jähriges Mädchen keine solche Reise allein unternehmen kann. Sie unterstützten mich, aber das ist alles.
Du wurdest zitiert, das du mehr feminines Auftreten der Spielerinnen auf dem Platz sehen möchtest.
Das habe ich nicht so gesagt. Wenn Leute meine persönliche Meinung hören möchten, sage ich jedes Mal, dass wir einen weiblichen Sport spielen. Wir tragen Röcke und ich denke wir sollten weiblich und feminin auftreten, weil die Leute das sehen wollen, wie sie es zum Beispiel einem Theaterbesuch erwarten. Im Theater wollen die Leute gestylte Schauspieler sehen die etwas zeigen, ich finde wir als Spielerinnen haben die gleichen Ambitionen.
Sollten deiner Meinung nach die Preisgelder für Frauen an die Preisgelder der Herren angeglichen werden?
Also, die Männer sind natürlich stärker und besser. Ich respektiere das. Dagegen bekommen wir die höheren Einschaltquoten im Fernsehen in vielen Ländern der Welt. Es ist auch nicht so, dass wir Geld von den Männern für uns beanspruchen. Wenn wir gleichermaßen bezahlt würden würden die Männer deswegen nicht weniger bekommen. Aber ich lasse solche Entscheidungen lieber von den Offiziellen regeln, ich liebe es einfach zu spielen.
Gibt es viel Rivalität unter den Spielerinnen?
Wir haben eine ausgeglichene Atmosphäre in der Players Lounge und in den Umkleiden. Okay, manchmal ist ein Spieler aufgebracht nachdem er ein Match verloren hat und es kann dann zu einer unangenehmen Situation mit den anderen Spielerinnen kommen, aber am nächsten Tag ist alles wieder in Ordnung. Es ist aber unmöglich für jemanden der nicht einmal dort war, zu verstehen, wie schwierig es ist, zu verlieren, trainieren, gewinnen, und zu reisen das ganze Jahr über. Aber wir verstehen uns untereinander und respektieren einander.
Viele Leute behaupten, dass dein Image stark auf dem "Glamour" um deine Person aufgebaut ist. Was ist wirklich wichtig für dich?
Tennis, natürlich. Ich spiele seit meinem 5ten Lebensjahr und ich hatte nie ein dass dein Image stark auf dem " anderes Ziel im Kopf als die beste Tennisspielerin zu sein. Ich hatte niemals die Absicht jemand anderes darzustellen. Alles andere ist nur etwas von Leuten die das hinzu dichten. Dies kann ich weder kontrollieren noch ändern.
Aber du magst doch den Trubel um deine Person?
Tja, wenn ich die Situation nicht ändern kann, muss ich mich damit abfinden. Aber ich mag natürlich meine Erfolge beim Tennis am meisten.
Was sind deine Schwächen auf dem Platz?
Oh, ich versuche sie natürlich zu verhindern, nein, ich denke ich muss an meiner Spielkonsistenz weiterarbeiten.
Und was sind deine Schwächen außerhalb des Tenniscourts?
Schokolade, Alles was mit Schokolade zu tun hat. (grinst)
Musst du denn eine spezielle Diät einhalten? Oder auf dein Gewicht achten?
Nein. ich esse ja nicht 3 Desserts, oder so was. Ich trainiere und mache viele Fitnessübungen jeden Tag, so das ich nicht speziell darauf achten muss was ich esse.
Du hattest mal gesagt, dass du gerne Schauspielerin sein möchtest.
Ah, das war als ich gefragt wurde was ich gerne machen würde, wenn ich nicht Tennisspielerin geworden wäre. Ich habe nicht gesagt, dass ich Schauspielerin unbedingt werden wollte. Vielleicht werde ich es eines Tages versuchen, aber es ist nicht so, dass ich ständig davon träumen würde.
Kannst du dir schon ein Leben nach dem Tennis vorstellen?
Ich habe ja erst meine Tenniskarriere begonnen und deshalb ist es schwierig für mich zu sagen, was ich danach machen werde. Aber ich bin nicht der Typ, der zu Hause sitzt und gar nichts tut. Ich stelle mir etwas inspirierendes, aufregendes vor.
Wie wäre es mit einer Modellkarriere?
Oh, modellen macht natürlich Spaß, aber wenn ich einmal nicht mehr Tennis spielen sollte, werde ich um die 30 sein und dann wird es viele neue, junge Mädchen geben. Ich habe aber nicht die Absicht Modell zu werden.
Wie verbringst du denn Tag, wenn du mit trainieren fertig bist?
Mhhh, ich mag natürlich nichts langweiliges. Ich würde niemals stundenlang rumsitzen und Bücher lesen. Ich mag es an den Strand zu gehen, Rollerblade fahren, schwimmen und in der Sonne liegen. Ich liebe alles, was mit Wasser zu tun hat. Und ich mag natürlich shoppen gehen. Ich muss irgendwo hingehen können, etwas tun, auf gar keinen Fall irgendwo sitzen bleiben.
Welche Art von Kleidung magst du am liebsten?
Verschiedene Richtungen, aber meistens Sachen die klassisches gestylt sind, aber trotzdem etwas besonderes sind. Ich mag schlichte Farben, wie zum Beispiel schwarz und weiß, aber auch alle Art von hellen Farben.
Was ist mit Musik?
Das ist schwierig zu sagen, weil oft eine Gruppe die ich gut finde nur guten Song hat und dann wieder verschwindet. Als Künstler mag ich Madonna.
Gehst du oft abends aus?
Nein, ich halte lieber einen langen Schönheitsschlaf. Ich komme normalerweise gegen 19.30 Uhr nach Hause, wo ich dann einfach relaxe beim Fernsehen schauen und gehe dann schlafen. Ich brauche viel Schlaf. Ich kann 24 Stunden am Stück schlafen, ohne das mich jemand wecken kann.
Welche Qualitäten muss ein Mann für dich haben?
Er sollte nett und freundlich sein, ein gutes Herz und er muss verstanden haben, was es heißt zu arbeiten. Und natürlich ehrlich muss er sein.
Du bist gerade 18 Jahre alt geworden. Du bist also nun offiziell erwachsen. Was ist das Wichtigste, was dich deine Eltern gelehrt haben?
Viele Dinge. Meine Mutter sagt mir immer wieder, dass ich arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten muss. In Russland haben wir ein Sprichwort: "Gott gibt alles denjenigen, die früh aufstehen.